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#9 – Wo schlafen wir heute?

Als Kind war ich bei den Pfadfindern. Wir haben tolle Sachen gelernt, z.B. unterschiedliche Knoten, Feuer, Überlebenstechniken in der Natur und noch Vieles mehr. Jedes Jahr hatten wir eine Wanderung mit der Gruppe, die meistens von Sonntag bis Donnerstag ging. Dann kamen wir und auch viele weitere Pfadfindergruppen aus unserem Bundesland auf dem Abschlusslager an, wo wir bis Sonntag zelteten. Dort gab es viele coole Programmpunkte, Workshops, Spiele und man hatte Zeit für Freunde, auf die man sich schon lange freute. Doch um zum Abschlusslager zu kommen, mussten wir erst viele Kilometer wandern. Während den Wandertagen waren manche Schlafplätze geplant, andere nicht. War der Schlafplatz nicht geplant, wanderten wir so lange es ging und sahen uns dann nach einem um.

An einem dieser Tage, an dem wir uns den Schlafplatz suchen mussten, beteten wir mit der Gruppe bevor wir zum Wandern aufbrachen. Wir baten, dass uns Gott einen Schlafplatz geben möge und er uns helfe, die Augen offen zu halten. Dann wanderten wir los und die Stunden vergingen. Viele wurden müde und die heiße Sonne brannte auf uns nieder. Man sprach immer wieder in der Gruppe, dass es schön wäre, endliche einen Schlafplatz zu finden und sich auszuruhen. Endlich war ein Bauernhof in Sicht! Wir hatten schon einige Male Bauern gefragt, ob wir in einer Scheune übernachten dürften, die uns schließlich freundlich aufnahmen. Wir machten uns große Hoffnung, denn bisher hatten wir gute Erfahrungen gemacht. Der Bauernhof sah ganz ok aus, aber ganz ehrlich…ein Bauernhof glänzt ja auch nie. Wir freuten uns, denn wir sahen uns schon irgendwo auf dem Hof herumrennen oder im Heu entspannen. Der Gruppenleiter ging zum Bauern, der gerade aus dem Fenster sah und fragte ihn, ob wir für eine Nacht auf seinem Bauernhof übernachten dürften und ob er noch eine Scheune frei hätte. Der Mann sah uns grimmig an, wedelte mit seiner Hand und schlug das Fenster zu. „Das war wirklich nicht nett“ dachten wir uns. Man kann ja noch freundlich miteinander sprechen…naja. In der Ortschaft gab es keinen weiteren Bauernhof, sondern erst im nächsten Dorf. Das bedeutete für uns, dass wir weiterwandern müssten, um im nächsten Dorf zu fragen, ob wir bleiben dürften. Wieso hatte es nicht geklappt? Wir hatten doch gebetet. Außerdem musste Gott doch sehen wie erschöpft und durstig wir waren und wie sehr unsere Füße schmerzten. Warum ließ er diese Schmerzen zu? Warum schickte uns Gott weiter auf die Reise? Das hätte doch jetzt perfekt gepasst.

Zu dem Zeitpunkt hatten wir keine Antwort und viele von uns waren enttäuscht. Uns blieb nichts anderes übrig, als weiter zu ziehen. Als wir dann endlich im nächsten Dorf waren und den Bauernhof erreicht hatten, ging erneut unser Pfadfinderleiter vor, um mit dem Bauern zu sprechen. Alle waren gespannt und beteten, dass Gott uns einen netten Bauern schicke, der uns einen Schlafplatz gibt. Wir waren sehr aufgeregt. Dieses Mal kam unser Leiter mit einem Lächeln zurück und sagte: „Wir können bleiben. Der Bauer hat „zufälligerweise“ eine freigeräumte und saubere Scheune, in der wir übernachten dürfen. Außerdem dürfen wir Wasser schöpfen und Feuer machen. Um alles noch zu toppen, lässt er die Türe offen und wir dürfen seine Toilette benutzen.“ Wooow, was für ein Segen!! Gott hatte nicht zugelassen, dass wir beim ersten Bauern bleiben, damit wir etwas Besseres bekommen.

Durch diese Erfahrung konnte ich wirklich lernen, dass Gott einen im Leben führt. Er verschließt Türen, damit wir nicht durch sie gehen und führt uns weiter, bis er uns etwas Besseres gibt. Das bedeutet, dass wir manchmal länger im Leid verweilen müssen, aber nur, weil Gott etwas Größeres für uns bereithält. Gott verweigert uns nie etwas, was zu unserem Segen sein würde. Wenn er uns etwas wegnimmt oder verweigert, dann nur, um uns etwas Besseres zu geben und mehr als wir es erhoffen. Manchmal müssen wir Leid erfahren und wir fragen uns, wann hört das den auf? Doch unsere Hoffnung darf sein, dass Gott immer einen Regenbogen nach dem Sturm schickt.

„Und die richtig vor sich gewandelt haben, kommen zum Frieden und ruhen in ihren Kammern.“

Jesaja 48,22

@allglory_togod