Freitag:
Noemi brachte dieses Anliegen umso mehr vor Gott
und las in der Bibel. Sie stieß auf das Buch Jakobus und dort las sie
das Kapitel 5, in dem es um das Gebet für kranke Personen geht.
„V. 15 Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und er Herr wird ihn aufrichten (…)
V.16 (…) und betet füreinander, dass ihr gesund werdet.
V. 17 Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.“
Ein Vers blieb ihr besonders im Kopf hängen, an den
sie sehr denken musste „Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich
die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl
in dem Namen des Herrn“ (Jakobus 5,14). Sie sprach mit der Predigerin,
damit dies auch bei meiner Schwester durchgeführt werden würde. Diese
informierte den Gemeindeältesten, Gemeindeleiter und einen weiteren
Predigerkollegen. Die Familie, Gemeinde und weitere Freunde beteten
ohnehin sehr viel, doch jetzt wurden die Gebete intensiviert.
Die Krankensalbung fand kurz vor dem
Transplantationstermin statt – am Freitag vor dem besagten Montag, an
dem es nach Ulm gehen sollte. Damit die kurzfristig geplante Salbung in
Ruhe durchgeführt werden könnte, waren nur die engsten
Familienmitglieder und einige gottesfürchtige Freunde dabei. Noemi hing
ein Schild vor die Türe mit der Bitte, nicht einzutreten. Nach dem Amen
hatte Noemi so einen Frieden und eine Gewissheit i n ihrem Herzen, dass
alles gut werden würde. Sie merkte, wie Gott auch ihr half, mit der
Situation umzugehen.
Eine Krankenschwester kam nach einer Weile rein,
als alle gegangen waren, um nach Bequi zu sehen. Plötzlich musste sie
lachen, weil Bequi eine Grimasse zog. „Du bist heute aber lustig drauf“
sagte sie. Nach wenigen Sekunden tippte Bequi die Krankenschwester an
und machte wieder etwas Lustiges, worauf die Krankenschwester sagte:
„Ich erkenne dich gar nicht wieder. Du bist ja wie ein anderer Mensch.“
Der Grund, warum sie so überrascht war, war, dass es Bequi normalerweise
mied, mit dem Krankenhauspersonal zu sprechen. Es kam fast nie zu einem
Gespräch. Manche fragten sich, ob sie überhaupt sprechen könne oder sie
stumm sei. Stumm war sie nicht. Sie sprach nur mit ihrer Familie, aber
irgendwie mochte sie es nicht mit den Krankenpflegern und Ärzten zu
sprechen.
Für Noemi war es unglaublich zu sehen, wie schnell
Gott Antworten gab und an Menschen wirkte. Natürlich antwortet Gott
nicht immer so schnell und an dem Tag wurde Bequi auch nicht wieder nach
Hause geschickt, weil der Krebs plötzlich weg war, aber nun war die
Zuversicht da, dass alles gut werden würde.
Sonntag und Montag:
Am Sonntag fand ein medizinisches Symposium statt,
bei dem auch über den Fall der seltenen Leukämie von Bequi beratschlagt
wurde, welche Therapieansätze tatsächlich wirksam sind und welche nicht.
Der Oberarzt, der Bequi behandelte, nahm alle Informationen aufmerksam
auf und bat Noemi am folgenden Tag um ein Gespräch. Er sagte mit ernster
Miene: „Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Welche möchten
sie zuerst hören?“ „Beginnen sie mit der schlechten Nachricht, dann
bleibt die Gute für den Schluss“ sagte Noemie. Der Oberarzt Dr. K.
sagte, die schlechte Nachricht wäre die, dass Bequi nicht mit der
Rückenmarktransplantation geheilt werden könne. Er hatte so ein
schlechtes Gewissen, weil er Noemi dazu genötigt hatte, der Behandlung
einzuwilligen. Nun musste er zugeben, dass diese Behandlung keine
Wirkung habe und Bequi auf jeden Fall sterben müsse. Er entschuldigte
sich viele Male und bekundete, wie sehr ihm diese Ergebnisse leidtaten.
Noemis Antwort war ganz anders als erwartet: „Das ist eine gute
Nachricht für mich. Welche ist die Gute?“ „Die gute Nachricht ist, dass
mit der Therapie fortgefahren wird und sie in Heidelberg bleiben kann.“
Das hatte sich Noemie gewünscht.
Dr. K. fragte besorgt: „Sind sie nicht sauer auf
mich, weil ich sie dazu genötigt habe, einzuwilligen? Ich habe Ihnen
doch gesagt, dass es die einzige Möglichkeit sei, damit Bequi gesund
wird und nun gibt es keine Option mehr. Wir müssen es weiterhin mit der
Chemo- und Bestrahlungstherapie versuchen.“ Noemi: „Ich bin nicht sauer
auf Sie. Es ist eine gute Nachricht für mich.“ Dr. K. war neugierig und
daran interessiert, wie Noemi zu diesem Urteil kam und fragte: „Warum
ist das eine gute Nachricht?“ Noemie erklärte dem Arzt: „Ich werde meine
Tochter Ale nicht zurücklassen müssen und bleibe in Heidelberg bei ihr.
So können wir uns öfter sehen. Deshalb ist es für mich nicht eine
schlechte und eine gute Nachricht, sondern es sind zwei gute
Nachrichten.“
Bequis Zustand verbesserte sich auf einmal so sehr und die gepackte Tasche
konnten wieder ausgepackt werden. Keiner der Ärzte konnte sich erklären,
wie diese schlagartige Verbesserung ihrer Gesundheit zu Stande kam. Sie
waren so erstaunt darüber, dass sie sagten: „Hier ist wirklich ein
Wunder geschehen“.
Fazit
Ich kann Gott nur Loben und Preisen, wenn ich daran
denke, was er bewirkt hat, denn so wurde Bequi diesem hohen Risiko
nicht ausgesetzt. Gott bewies und zeigte uns als Familie ganz deutlich,
dass er über jegliche Medizin steht. ER ist der Herr über alles. ER ist
der Schöpfer. ER ist der Retter. ER ist er Arzt. Wenn wir mit unseren
Anliegen zu ihm kommen und daran glauben, so erhört er auch unsere
Gebete.
„Und alles, was ihr bittet im Gebet, wenn ihr glaubt, so werdet ihr`s empfangen.“ (Matthäus 21,22)
Wir waren alle so überwältigt, dass Gott unsere
Gebete erhörte. Das schenkte uns allen noch mehr Zuversicht, Glaube und
Hoffnung daran, dass er alles zum Guten führen wird und er Bequi heilen
würde. So kam es dann auch. Zwei Jahre nach der Diagnose war sie fertig
mit aller Chemo- und Bestrahlungstherapie. Sie hatte immer mehr an Kraft
zugenommen und wurde gesund. Nach der Entlassung ging sie erst sehr
regelmäßig, dann immer seltener zu den Kontrolluntersuchungen und es kam
kein weiterer Rückfall. Wir sind Gott von ganzem Herzen dankbar, dass
er sie komplett heilte.
Rückblickend finde ich es gut, damit konfrontiert
worden zu sein, denn nur indem ich sah, wie schlimm diese Krankheit war,
konnte ich später begreifen, wie groß Gott ist.
„Denn ich bin der Herr, dein Arzt.“
2. Mose 15,26
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